Sucht am Arbeitsplatz

Zum Thema Sucht am Arbeitsplatz und dem Umgang damit gibt es hier Informationen

 

 

Angehörige in der Suchtselbsthilfe

Gemeinsame Resolution der Sucht-Selbsthilfegruppen
Verabschiedet anläßlich der DHS-Sucht-Selbsthilfe-Konferenz

auf Initiative der fünf Abstinenz- und Selbsthilfeverbände:
Blaues Kreuz in Deutschland e.V., Blaues Kreuz in der evang. Kirche e.V.,
Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe e.V., Guttempler in Deutschland, Kreuzbund
e.V.
„Wir waren allein mit unserem Problem! Damals jedoch dachte ich noch, es sei allein das
Problem meiner Frau“. (D.D., mitbetroffener Mann)
„Ich lernte mit dem Zustand des trinkenden Vaters und der angehörigen Mutter umzugehen.
Tränen kannte ich nicht mehr, stark musste ich sein, dann ging’s mir gut. Nur keine Gefühle
zeigen und nach Möglichkeit nicht über alles nachdenken.“ (A. S-B. erwachsenes Kind aus
einer Suchtfamilie)
„Ich spürte eine schmerzhafte Ohnmacht, wie ich es aus den Jahren seines Trinkens nicht
kannte. Ich habe versagt, jetzt ist er gesund, er braucht dich nicht mehr: Du hast ausgedient.“
(C. F., mitbetroffene Frau)
In diesen Aussagen von Angehörigen lassen sich Beziehungsstörung und –abhängigkeit
sehr deutlich erkennen. Co-abhängige Menschen unterstützen oftmals ihre Partner bis zur
eigenen Selbstaufgabe. Sie sind dann nicht in der Lage, die Aussichtslosigkeit ihres
Verhaltens zu bewerten und sich entsprechend zu verhalten. Co-Abhängigkeit ist Irrtum,
Versäumnis und Verstrickung. Dies kann so weit führen, dass Co-Abhängige sich selbst nicht
mehr fühlen und wahrnehmen – in der Beziehung zum Süchtigen, oft aber auch darüber
hinaus.
In vielen Fällen haben Angehörige u. a. Probleme,
1. eine angemessene Selbstachtung zu erfahren,
2. Grenzen zu setzen,
3. die (eigene) Realität zu begreifen und auszudrücken und maßvoll zu erfahren,
4. die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen und zu erfüllen.
In Deutschland sind ca. 1,7 Mio. Menschen alkoholabhängig; dazu kommen 2,7 Mio. mit
mißbräuchlichem Konsum und 4,9 Mio. mit riskantem Konsumverhalten. Weiter ist mit ca. 1,4
Mio. Medikamentenabhängigen und ca. 120.000 Abhängigen von illegalen Drogen zu
rechnen. Ca. 11 Millionen Menschen sind in Deutschland direkt von der Suchterkrankung als
Angehörige betroffen.
In jeder siebten bis achten Familie kann ein Suchtproblem angenommen werden. Es ist
bekannt, dass ca. 30 bis 50 % der alkoholabhängigen Menschen selbst Kinder aus Familien
mit einem suchtkranken Elternteil sind und ca. 60 % der Partnerinnen von Alkoholikern
eine/n suchtkranken Vater/Mutter haben.
Die Selbsthilfegruppen für Suchtkranke weisen seit ihrem Bestehen darauf hin, dass die
Suchtkrankheit eines Familienmitgliedes auch immer die übrigen Mitglieder des sozialen
Umfeldes betrifft.
Die Sucht-Selbsthilfegruppen wollen dazu beitragen, dass die Angehörigenarbeit in ihren
Reihen weiter entwickelt und gefördert wird. Die Menschen dort wollen mithelfen, ein offenes
Gespräch mit den Angehörigen zu suchen und zu führen. Ebenso befürworten die
Selbsthilfeverbände die Kooperation mit dem professionellen Bereich. Die Abstinenz- und
Selbsthilfeverbände sind bereit, den Reflexionsprozess über Einstellung und Verhalten
Angehörigen gegenüber ständig weiter zu führen.
Die Teilnehmer/innen der 4. Sucht-Selbsthilfekonferenz fordern deshalb in diesem
Zusammenhang von Kosten- und Leistungsträgern (z. B. Bundes- und Landesversicherungsanstalten,
Krankenkassen, Gesundheitsämter und Ministerien), von Personen,
Institutionen und Gremien, die sich mit der Problematik von Angehörigen fachlich
auseinandersetzen und nicht zuletzt von den Verbänden der Sucht-Selbsthilfe:
1. Aktives Einbeziehen von Angehörigen bei den Entscheidungen und Umsetzungen in
allen Bereichen der Selbsthilfeorganisationen
2. Eigenständige Angebote für Angehörige im Sinne von „Angehörige helfen Angehörigen“
in der Selbsthilfe und spezielle Angebote im professionellen Bereich
3. Angebote auch für Kinder und Jugendliche aus Suchtfamilien
4. Fort- und Weiterbildung für Angehörige, z. B. durch Multiplikatorenschulungen
5. Sensibilisierung und Qualifikation der professionell helfenden, beratenden und
therapeutischen Kräfte für eine angemessene Arbeit mit Angehörigen
6. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, um über Co-Abhängigkeit aufzuklären und die
bestehenden Hilfsangebote bekanntzumachen
7. Schaffung von (sozial-)rechtlichen Grundlagen für die Finanzierung von Angeboten für
Angehörige als präventive Maßnahmen
8. Aufnahme adäquater Maßnahmen für Angehörige in die Empfehlungsvereinbarung
Sucht (von 1978) und in die Empfehlungsvereinbarung ambulante Rehabilitation Sucht
(EVARS)
9. Zusätzliche finanzielle Mittel für alle Selbsthilfe- und Abstinenzorganisationen, um
Angehörigen entsprechende Hilfen anbieten zu können
10. Wissenschaftliche Forschungen bzgl. der Situation und Erlebenswelt von Angehörigen
11. (Weiter-)Finanzierung von Maßnahmen für Angehörige Suchtkranker durch staatliche
Mittel und Anerkennung der Maßnahmen als Rehabilitationsmaßnahmen.

 

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